Die leisen Töne hören

Spiritueller Lehrer

Kater White Socks war einer der besten spirituellen Coaches in meinem Leben. Im Juli 2018 fand ich ihn morgens, als er auf der Straße im Kreis lief. Er schien verwirrt zu sein und ich hob ihn auf. Mein erster Impuls war, dass dies nicht gut enden würde und er sterben würde. Die Tierärztin beruhigte mich und war überhaupt nicht besorgt. Ein Teil von mir bäumte sich auf und wollte sie anschreien: „Sehen Sie nicht, dass er sterben wird oder wollen Sie es nicht sehen?“

Sein Zustand der Verwirrung wurde nicht besser. Also tat ich, was ein guter Tierhalter tun würde: Ich brachte ihn stationär zur Tierärztin, damit sie ihm vor Ort die nötigen Medikamente und Unterstützung geben konnte. Dort hat er auch gegessen und getrunken. Zwei Tage später sah ich immer wieder sein Bild vor meinen Augen und hatte das dringende Bedürfnis, ihn dort abzuholen.

Zurück bei uns zu Hause aß und trank er von da an nichts mehr. Er verweigerte alles. Er lag nur noch in der Ecke und wollte seine Ruhe haben. Es ging ihm von Stunde zu Stunde schlechter. Inzwischen war auch mir klar, dass er sterben würde. Er war kaum noch ansprechbar und kroch weg.

 

Widerstand

Es war erbärmlich für mich, ihn in diesem erbärmlichen Gesundheitszustand zu sehen. Also fuhr ich zurück zur Tierärztin, um ihn einzuschläfern, damit er nicht noch mehr leiden musste. Sie bestätigte, dass sein Sterbeprozess begonnen hatte und dass es nun mehrere Tage dauern könnte, bis der Körper aufgibt.

Sie untersuchte ihn für die Betäubungsspritze und er wehrte sich. Gegen jede Berührung durch sie. Er kämpfte. Er bäumte sich auf. Er kratzte sie. Er miaute. Er wollte nicht von ihr angefasst werden, was vorher nie ein Problem gewesen war. White Socks mochte die Tierärztin. Es war erstaunlich, wie man mit so wenig Lebenskraft noch so widerspenstig sein konnte.

In meiner Verzweiflung hob ich ihn hoch, und er war plötzlich ganz ruhig. Er drückte sich an mich und legte seinen Kopf in meine Halsbeuge. Erst in dieser Sekunde wurde mir klar: Er will nicht eingeschläfert werden und möchte zu Hause sterben. Also nahm ich ihn mit und ließ keine Diskussion mit dem Tierarzt zu.

 

Liebevoll begleiten

Ich habe ihm eine Sterbekiste gemacht, mich auf den Boden gesetzt und ihm gut zugeredet: Dass er gehen kann, wenn er es will. Dass er loslassen kann. Dass ich ohne ihn auskomme. Dass er eine unglaublich tolle Katze ist. Dass er keine Rücksicht auf mich nehmen muss. Ich habe ihn immer wieder kurz berührt, um ihm zu zeigen, dass er nicht alleine ist. Es war nicht leicht für mich.

Ein paar Stunden später überkam mich plötzlich die Müdigkeit. Genau in diesem Moment hörte ich, wie er laut ausatmete und dann für immer einschlief. Hätte ich nicht auf die leisen Töne gehört, hätte ich ihn gegen seinen Willen eingeschläfert.

Er zeigte mir liebevoll, dass das Sterben ein natürlicher Prozess ist, den wir Menschen den Tieren oft abkürzen, indem wir sie einschläfern. Das wollte er nicht und ich hätte seinen Wunsch um ein Haar nicht respektiert, weil ich so sehr mit mir und meiner Trauer beschäftigt war. Wir haben ihm einen schönen Platz im Garten eingerichtet. Jetzt ist aus „White Socks“ eine weiße Wolke geworden. Er hat mich wachgerüttelt und mich gelehrt, meiner Intuition noch mehr zu folgen.

Ich kann seine Anwesenheit auch Jahre später noch spüren.  Vor allem, wenn ich still auf dem Sofa sitze. Er ist immer noch ein Coach für mich, obwohl wir mittlerweile wieder zwei andere Katzen haben. Er zeigte mir damals eindrucksvoll, dass der Tod in Wirklichkeit kein Tod ist, sondern nur ein Übergang in einen anderen „energetischen Zustand“.

 

#runfree

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner