Loslassen lernen

Nicht ausweichen können.

2018 war ein hartes, aber auch ein schönes Jahr, das sich für alle Zeiten in mein Leben eingebrannt hat. Im Jahr 2018 habe ich im Juni, Juli und November ein Tier verloren und begraben.

In diesem November mussten wir als letztes Tilly loslassen. Sie war seit Januar dieses Jahres an Krebs erkrankt und wusste, dass sie sich von dieser Diagnose nicht mehr erholen würde. Diese unglaubliche Kämpferin hat sich mit ihren fast 15 Jahren allen Tierärzten, Tierheilpraktikern und Physiotherapeuten entspannt den Mittelfinger gezeigt – mit einer Liste von Krankheiten, die länger war als die Mängelliste des neuen Berliner Flughafens. Sie hat sich in diesem Jahr 6!!! Mal wieder aufgerappelt, wo schon alle sagten, dass es jetzt vorbei ist mit ihr.

Ich habe sie getragen, wo sie nicht mehr aufstehen konnte. Nur um festzustellen, dass sie es am nächsten Tag ohne meine Hilfe wieder schaffte.

Ich habe ihr Erbrochenes weggeputzt, weil ihr Magen nicht mehr vertragen hat. Nur um zu sehen, dass sie am nächsten Tag voller Appetit die doppelte Menge aß.

 

Das Unvermeidliche

Ein Schlaganfall setzte sie außer Gefecht. Ich bin mir sicher, dass sie auch bei diesem zuerst den Mittelfinger hochhielt. Aber es funktionierte nicht mehr. Ich war nicht so traurig, wie ich es erwartet hatte. Denn ich habe das ganze Jahr über JEDE SEKUNDE mit ihr genossen, als wäre es unsere letzte Sekunde gewesen.

Wir haben in dieser Zeit Orte entdeckt, an denen wir noch nie waren, Dinge gegessen, die wir noch nie probiert hatten, und gekuschelt, als gäbe es kein Morgen. Und dann, eines Tages, gab es auch kein Morgen mehr.

Was ich von ihr gelernt habe, war viel wichtiger als das, was mir jeder Trainer für viel Geld hätte beibringen können: Im Moment zu leben. Dafür werde ich ihr immer dankbar sein. Erheben wir also unsere Tassen voller Freude, Liebe und Stolz für alle Menschen und Tiere, die oft so viel mehr Weisheit haben als wir.

 

Quintessenz

In jeder noch so schwierigen Situation steckt eine Lernchance für dein Leben und für dich drin. Versuche nicht, vor diesen Situationen davonzulaufen, denn sie kommen in abgewandelter Form wieder. Gehe auf sie zu, schaue ihnen in die Augen und denke an die Chance, die sie dir bieten.

Auch jede noch so verzwickte Situation hat einen Aspekt, der dich bewusst in deiner geistigen Entwicklung weiterbringt und dich wachsen lässt. Es muss nicht immer ein Tod sein, der dir den Boden unter den Füßen wegzieht. Du kannst das Loslassen jeden Tag üben! Schlechte Gewohnheiten reichen dafür locker aus. Aber wir wollen oft nicht loslassen, obwohl wir so gerne loslassen würden.

Was möchtest du wirklich loslassen, wenn du ehrlich zu dir selbst bist?

 

#dankeschönfüralles #becherhoch #herznase

 

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