Mein zweiter Weckruf

Mein zweiter Geburtstag

Seit dem 6. November 2011 feiere ich meinen zweiten Geburtstag.

Warum? Mir kam auf der Autobahn ein Geisterfahrer entgegen.

Diese Bilder sind in mein Gedächtnis eingebrannt. Ich war auf der Autobahn unterwegs. An diesem Sonntagmorgen war es leicht neblig. Meine Sicht in die Ferne war ganz leicht versperrt. Und plötzlich war da diese Stimme in meinem Kopf, die sagte: „Geh vom Gas, es ist ein bisschen neblig.“

Kurz darauf sah ich zwei Scheinwerfer direkt auf mich zurasen. Plötzlich nahm die Zeit in meiner Wahrnehmung eine andere Dimension an. Es waren nur Sekunden, aber ich hatte Gedanken und Überlegungen für Stunden.

 

Handlungsoptionen

Ich dachte über verschiedene Möglichkeiten nach. Ob ich nach rechts ausweichen könnte. Aber da war ein Auto. Ob ich bremsen und hinter dem Auto einscheren könnte. Das war zu knapp und ging nicht. Ob ich beschleunigen und vor das Auto einscheren könnte. Dafür hatte ich nicht genug PS in meinem Auto.

Und dass ich keine Alternative hatte. Dass ich mit dem Geisterfahrer zusammenstoßen würde, weil rechts nicht frei war. Was passieren würde, wenn ich mit dem Auto zusammenstoße. Dass ich keine Gelegenheit mehr haben würde, mich von Roland oder Freunden zu verabschieden. Dass ich dieses Leben verlassen würde, ohne meine Mission in diesem Leben überhaupt begonnen zu haben.

All diese Gedanken gingen mir in diesen wenigen Sekunden durch den Kopf. Dann sah ich, wie das Auto neben mir das Lenkrad einschlug, nach rechts fuhr und eine kleine Lücke für mich machte. Ich konnte in diese Lücke hineinfahren.

 

Gänsehaut und Selbstvorwürfe

Leider habe ich nicht bemerkt, dass die Taxifahrerin hinter mir an der kleinen Kuppe dem Geisterfahrer nicht mehr ausweichen konnte. Sie stieß frontal mit dem Auto zusammen. Der Geisterfahrer und die Taxifahrerin waren auf der Stelle tot. Der Beifahrer wurde lebensgefährlich verletzt. Bis heute weiß ich nicht, ob die Frau überlebt hat. Die Autobahn war stundenlang auf beiden Fahrspuren gesperrt, weil das Auto des Geisterfahrers durch den Aufprall auf die gegenüberliegende Seite der Autobahn geschleudert wurde.

Eigentlich wäre ich an der Reihe gewesen und hätte nicht überlebt, wenn der Wagen neben mir nicht so geistesgegenwärtig gewesen wäre, das Lenkrad zur Seite zu reißen und mir die Lücke zu lassen. Und wenn da nicht diese leise Stimme in meinem Kopf gewesen wäre.

Jahre später versuchte ich, meinen Lebensretter ausfindig zu machen, und fand ihn über die sozialen Medien. Aber nicht ihn, sondern seinen Beifahrer. Der Fahrer selbst hatte sich zwei Jahre später das Leben genommen. Aus welchem Grund auch immer. Er schenkte mir mein Leben und nahm sich selbst das Leben. Für mich war das unverständlich.

 

Quintessenz

Was ich aus dieser Situation gelernt habe? Nichts ist so wichtig wie Familie, Beziehungen und das eigene Leben.

In diesem Moment waren mir meine Firma, mein Auto, mein Geld oder unser Haus egal. Ich habe nur an die Menschen gedacht, die mich vermissen werden.

Dann wurde mir klar: Wenn ich noch einmal so weitermache, werde ich aus diesem Leben gehen, ohne bewusst gelebt zu haben. Das habe ich mir zu Herzen genommen. Es gibt jetzt viel wichtigere Dinge in meinem Leben als nur zu arbeiten und zu atmen.

Und ich bin buchstäblich ein zweites Mal in dieser Situation aufgewacht: Meine geistigen Helfer haben alles gegeben, damit ich meinen Auftrag erfüllen kann. Danke dafür!

 

#zweitergeburtstag #lebenistgroßartig

 

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